So, hat dich die Mystik der Hügel angelockt und du weißt nicht was dich erwartet? Nun hier sollst du Antworten erhalten.

Zu allererst solltest du wissen, nicht jeder Hügel ist künstlich, obwohl man in Norwegen fast ständig über künstliche Hügel drüberwegtrampelt.... Es gibt nicht nur Grabhügel, sondern auch Thinghügel. Über beide Hügelarten werde ich dir erzählen....

Grabhügel

Was veranlaßte nun die Menschen der Stein-, Bronze- und Eisenzeit solch Monumente wie Stonehenge, Megalithen, Hünengräber und Grabhügel zu schaffen? Eine starke Verwurzelung mit der Natur? Ein Sichgeborgenfühlen in Raum und Zeit, mit der Gewißheit das Leben wie Tod ein Kreislauf bilden? Die Achtung vor dem Leben? Die Verehrung der Ahnen? Bestimmt ist von jedem etwas mit dabei. Der letzte Punkt ist in Bezug auf die Grabhügel der Bronze- und Eisenzeit in Norwegen, der wohl wichtigste:

Der Ahnenkult.

Ein Ahn lebte nach dem Tod weiter, daß war für die Menschen Gewißheit. Und den Ahnen mußte gedacht werden, denn die Geschicke des eigenen Lebens und des Hofes, Gutes, Hauses, ja sogar die Geschicke des Landes hingen davon ab, wie der einfache Mann, der freie Bauer, der Gutsherr oder der König zu und mit den Ahnen stand.

Auch wenn es teilweise Furcht vor den Ahnen gab, denn nicht alle waren zu Lebzeiten gute Menschen, so war es eine sehr gute Sache den Ahnen zu opfern, denn ein Gutsherr führt die Geschicke seines Gutes auch nach seinem Tod noch weiter und er wird wohl nicht seinen Hof wirtschaftlich in den Keller fahren wollen....

Der Kult bestand meist darin, das man auf den Hügel ging, sich auf diesen setzte und mit den Ahnen sprach, ihnen für die Hilfe dankte und ihnen Opfer in Form von Speisen und Getränken darreichte. Wenn in der Edda und anderen Sagen geschrieben steht, das er/sie sich auf den Hügel setzte, so bedeutete nicht das der- oder diejenige einfach nur dasaßen. Nein, sie saßen auf einen Grabhügel und sprachen mit den Ahnen.

Der Hügel für die Toten

War eine Frau oder ein Mann vermögend, oder hatten sie der guten Taten wegen Ansehen in der Gesellschaft erworben, so wurde ihnen ein Grabhügel nach deren Tod errichtet, damit die Nachfahren zu ihnen gehen und um Rat und Hilfe bitten konnten. Gleichwohl bestand eine sehr starke Ehrfurcht vor den Toten und Kränkungen blieben meist nicht ungestraft, deshalb wurde den Toten die Wiederkehr entsprechend verwehrt.

Hier siehst du den Grabhügel von Skogn, den Altstadhaug oder besser Olivshaug. Er ist der größte im Trøndelag und mißt rund 50m im Durchmesser und 7m in der Höhe. Besonders gut ist der Spiralaufgang zu sehen. Leider wurde dieses Grab ausgeraubt und die Beigaben in alle Winde zerstreut. Der Hügel ist physisch leer und trotzdem wird er bewohnt. Es heißt nicht umsonst das die Seele sich an bestimmte Dinge bindet und nicht umsonst wurden teilweise Löcher in die Hauswand gebrochen, um die Toten durch diese Löcher aus dem Haus zu bringen. Danach wurden diese Löcher wieder vermauert. Die Toten sollten unter gar keinen Umständen das Haus wieder betreten, allerdings wurde die Hilfe der Toten/Ahnen auf dem Felde gebraucht. Deswegen findet man auch die meisten Grabhügel der Gutshöfe in der Nähe vom Gutshof und dessen Feldern.

Altstadthaug in Skogn, Nordtrøndelag

Waren die Personen hochgestellte und sehr angesehene Persönlichkeiten, so wurden sie wenn möglich, zu einem Gräberkomplex zusammengefaßt. Orte wie Helges Gut oder die Königshügel in Uppsala, sprechen für diese Art und Weise der Verehrung für diese berühmten Toten.

Der Helgeshügel (rechts) und ein weiterer Hügel

Der Aufbau eines nordischen Grabes

Die Gräber zur damaligen Zeit hatten einen sehr vielfältigen Charakter. Ein Sklave wurde verscharrt mit ein paar Steinen auf dem Körper, damit er nicht wiederkam. Ein einfacher Mensch bekam ein Grab, das ein bootförmiges Aussehen hatte. Dies kann ein tatsächliches Boot gewesen sein, es kann aber auch Stein und Holz sein, das so herumdrapiert wurde, daß es eine bootähnliche Gestalt bekam. Eine andere Form der Bestattung war die Feuerbestattung, die auf sehr einfache Art, wie auch pompös von Statten gehen konnte, wie es Ibn Fadlan 922 in seinem Reisebericht erwähnte. Brandbestattungen waren auch üblich für die gemeinen Kämpfer, die auf dem Schlachtfeld zurückblieben. Auf diese Weise wurden teilweise schon zur damaligen Zeit Friedhöfe angelegt, wie es auf dem unteren Bild zu sehen ist. Es ist das Gräberfeld in Oppdal, ein Friedhof, der über tausend Jahre lang genutzt wurde, um Angehörige zur Ruhe zu betten, teils mittels Feuerbestattung, teils mit kleinen Hügeln.

Das Gräberfeld in Oppdal.

Die reichen und wichtigen Persönlichkeiten bekamen ganze Kriegsschiffe als Begräbnisbeigabe, wie es die Osebergschiffe beispielsweise representieren. Solche reichen Begräbnisse bekamen auch Frauen, so wie es in einem der Osebergschiffe nachgewiesen wurde. Es soll Königin Åsa sein. Dazu kamen Tieropfer, inform von Pferden, Hunden, Nahrung und Gerätschaften für den alltäglichen Bedarf. Es scheint, als ob die Toten auf eine lange Reise geschickt wurden und tatsächlich ist es ja eine Reise von der irdischen in die andere Welt. Diese Reise kann durchaus sehr lange dauern, wenn man nicht alles bedacht hat, also darf es den Toten an nichts fehlen....

Thinghügel

Um den Sinn der Thinghügel zu verstehen, muß man das Rechtssystem zur damaligen Zeit verstehen. Die Norweger waren bis vor der Einigung Norwegens durch Harald Hårfagre (Harald Schönhaar) in der Schlacht auf dem Hafrsfjord (ca. 890) in verschiedene Königreiche unterteilt. Nach der Einigung wurden diese in Fylker (Provinzen) eingeteilt. Aber schon vor Harald Hårfagre's Zeit galt das Thinglov (Thinggesetz). Selbst ein König konnte sich nicht über die Gesetze des Thing einfach hinwegsetzen.

Die Fylken, die sich geographisch sehr nahegelegen waren, bildeten ein Lag, eine Thinggemeinschaft. Der Name Trøndelag, der für das Gebiet um den Trondheimsfjord steht, zeugt heute noch von dieser alten Art und Weise die Gerichtsbarkeit geographisch etwas zu zentrieren. Der Thingplatz für das Lag der Trønder war Frosta, ein Ort auf einer Halbinsel mitten im Trondheimsfjord.

Der Thinghügel auf Frosta. Das Frosta-Thing.

Das Frosta-Thing erlangte große Berühmtheit, als es um 1000 Gesetze gegen Olav II. (Olav Haraldsson, Olav der Heilige) erließ, die jedem Trönder die Erlaubnis gab Olav zu töten, ohne die Verurteilung der Tötungstat vor dem Gericht. Gleichzeitig wurde die Unterlassung des Mordes an Olav II. vom Thing geahndet. [Anm.: Olav Haraldsson wurde 995 geboren, wurde König 1015 und fiel 1030 in der Schlacht bei Stiklestad gegen die aufständigen Trønder. Später wurde er durch die Katholische Kirche heilig gesprochen, da er ganz Norwegen christianisierte.]

Der Thinghügel auf Frosta im Winter.

Wie funktionierte nun das Thing? Zuallererst muß man die Gemeinschaft zur damaligen Zeit beleuchten. Es galt das Sippenrecht. Wenn einer etwas verbrach, mußte für die Konsequenzen die gesamte Sippe herhalten. Dies ist zwar ein sehr starkes, hartes, aber auch effektives Instrument für den Gesellschaftszusammenhalt zur damaligen Zeit. Gleichzeitig hatte jeder Gutsherr Rechtshoheit. Selbst ein König konnte nicht dem Gutsherr seine Rechte beschneiden. Auf dem Gut war der Gutsherr König. Für Streitigkeiten gab es das Thing, welches einmal im Jahr stattfand. Das Gesetz wurde erst sehr spät niedergeschrieben und wurde vorher von gewählten Männern auswendig gelernt. Diese Männer wurden für drei Jahre zum Rechtsleser gewählt. Dies stellt eine enorme gedankliche Leistung dar, da vor jedem Thing das gesamte Gesetz verlesen wurde, und danach die Änderungen, Ergänzungen und die neuen Gesetze mit eingearbeitet werden mußten.

Aus Erzählungen und Sagen weiß man, wie es sich zugetragen haben mußte. Die gewählten Männer kamen zum Thingplatz gereist und wohnten auf dem Hof, der dem Thingplatz am nahesten stand. Zu Beginn des Thinges, traten alle Beteiligten, welche die Gesetze verlasen, wie auch hochgestellte Persönlichkeiten wie beispielsweise der König, auf den Hügel und wurden mit Ve-Bändern eingekreist. Das würde man heute als Absperrung bezeichnen, hatte aber einen religiösen, oder eher spirituellen Charakter zur damaligen Zeit, da die "Eingeschlossenen" sozusagen, abgeschlossen von äußerer Beeinflussung sein sollten, was die Gesetze betraf. Abgestimmt wurde dann von allen Anwesenden.

Sonnenuntergang beim Thinghügel auf Frosta.

Außerhalb Islands hat nur noch auf der Insel Man, das Thingrecht bis in unsere heutige Zeit als Tradition überlebt. Nach wie vor wird auf Man einmal im Jahr die beschlossenen Gesetze auf dem Thinghügel verlesen. Dies ist heute eine gewaltige Touristenattraktion geworden. Aber Fakt ist, daß diese Sitte, das Recht auf dem Hügel zu lesen, dort nun schon seit 1000 Jahren ausgeübt wird.